Das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) zählt zu den führenden Forschungs- und Vermittlungseinrichtungen für die Geschichte und Kultur des östlichen Europa. Unser breiter, disziplinenübergreifender Dialog sowie unsere historische Spannweite sind einzigartig: Von A bis Z, von der Antike bis zur Zeitgeschichte, untersuchen wir die Besonderheiten und Veränderungen dieser historisch wie gegenwärtig so wichtigen Großregion. Im Fokus stehen Themen, die zu den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit gehören: Globalisierungs-dynamiken und Migration, Wissensordnungen und konkurrierende Geschichtsbilder, Umwelt und Gewalt. Das seit 2010 in der Leipziger sowie seit 2025 auch in der Prager Innenstadt ansässige GWZO beschäftigt ca. 90 Mitarbeiter*innen aus dem In- und Ausland.
Zum 1. Februar 2027 suchen wir für unsere Abteilung »Wissen und Partizipation« in Prag (Leitung Dr. Michal Frankl)
- eine*n promovierte*n wissenschaftliche*n Mitarbeiter*in (m/w/d)
zunächst befristet für vier Jahre, in Vollzeit (40 h/Woche). Eine Entfristung ist bei Bewährung und vorbehaltlich der entsprechenden Ausstattung des Institutshaushaltes angedacht.
Der Dienstort ist Prag, wobei die Bereitschaft zu regelmäßigen Dienstreisen nach Leipzig erwartet wird, um an zentralen Institutsveranstaltungen teilzunehmen. Es erfolgt eine Anstellung nach tschechischem Arbeitsrecht mit entsprechender ortsüblicher Vergütung.
Die Abteilung »Wissen und Partizipation« untersucht die vielfältigen, mitunter spannungsgeladenen Beziehungen zwischen akademischer und außerakademischer Wissensproduktion. Im Fokus steht die Teilhabe an Wissen und Wissenschaft in Geschichte und Gegenwart Ostmitteleuropas, was unter dem Begriff Bürger*innenwissenschaft – Citizen Science – seit einigen Jahren in aller Munde ist.
Die Forschungen der Abteilung gliedern sich in die Themenfelder »Marginalisiertes Wissen« und »Partizipation Digital«. Der Blick der Abteilung richtet sich zum einen auf Akteur*innen aus marginalisierten Gruppen in Geschichte und Gegenwart. Sie fragt unter anderem, wie Wissen »am Rande« artikuliert, gehört, gespeichert oder interpretiert wird. Unter Einbeziehung von Ansätzen aus den Postcolonial Studies zielen die Projekte der Abteilung auf eine kritische Reflexion von Hierarchien und Ausgrenzungen in den von staatlichen Stellen angelegten und geordneten Archiven. Zudem liegt ein kritisches Augenmerk auf dem Einfluss neuer, digitaler Werkzeuge auf die Produktion wissenschaftlicher Erkenntnisse. Denn digitale Technologien, vor allem Systeme künstlicher Intelligenz (KI), ändern die Art und Weise, wie Wissen entsteht und rezipiert wird.
Die Forschung der zukünftigen Stelleninhaberin/ des zukünftigen Stelleninhabers widmet sich diesem Themenspektrum. Denkbar sind Projekte zu marginalisiertem Wissen ebenso wie zu den Auswirkungen unterschiedlicher Partizipationsformen und Crowdsourcing-Formate. Willkommen, sind insbesondere, aber nicht ausschließlich, Vorhaben, die sich mit Archiven, Zeitzeugenberichten und anderer Wissensproduktion von Flüchtlingen, Migrant*innen oder anderen verfolgten bzw. marginalisierten Gruppen, mit kollaborativen Plattformen wie Wikipedia oder digitalen Erinnerungsprojekten in Ostmitteleuropa auseinandersetzen. Ebenso von Interesse sind Untersuchungen zu Effekten von KI auf kleine Sprachen und in außerakademischen, partizipativen Kontexten. Ausdrücklich sind Projekte mit einem partizipativen, Citizen-Science-Anteil erwünscht.